Resumée des 15. Forum International Construction Bois im Grand Palais in Paris

Das 15. Internationale Holzbauforum fand vom 25. bis 27. Februar 2026 im Grand Palais in Paris statt.
Fazit: Lehrreich, fröhlich, inspirierend
Das Internationale Holzbauforum, seit 2011 ein jährlicher Kongress, hat seine dritte Ausgabe in Paris mit erneut allen Rekorden gebrochen: 18.000 Besucher, 600 Referenten, 374 Aussteller, darunter 124 Architekten und Ingenieure in der Galerie. Das Thema dieses Forums lautet in diesem Jahr „Im Angesicht des Klimawandels, oder: dem Klimawandel begegnen“ („face au climat“).
Das Internationale Holzbauforum, das mehrere Ausgaben im Jahr u.a. in Berlin, Innsbruck und Köln anbietet, mit verschiedenen Schwerpunkten hier „Forum Bois Construction“ (FBC), die weltweit führende Veranstaltungsreihe für innovative Lösungen aus Holz, nachwachsenden Ressourcen und Wiederverwendung, präsentiert jedes Jahr die neuesten Forschungsergebnisse und praxisnahe Lösungen für das Bauwesen von morgen, die dem Klimawandel entgegenwirken. Das Forum war geprägt von einem herzlichen Wiedersehen aller Akteure der europäischen Forst- und Holzindustrie.
Hierzu bot die diesjährige Veranstaltung folgende Anlaufstellen:
- die Ausstellung spezialisierter Anbieter in der Haupthalle,
- die Galerie mit rund hundert europäischen Architektur- und Planungsbüros, die sich auf die neue Klimarchitektur spezialisiert haben, im Zwischengeschoss,
- die Pitches der Innovationsplattform, sowie einer „Materialbibliothek“ klima- und ressourcenschonender (neuer) Materialien
- und das Konferenzprogramm, das auch die Beteiligung mehrer deutscher Unternehmen und Planungsbüros aufwies.

Das „Klimabündnis Bauen in Rheinland-Pfalz“ hat durch die räumliche und wirtschaftliche Nähe zu Frankreich und aufgrund von bereits existierenden Kooperationen in der Grande Région (Interreg Projekte und strategische Engagements in der Großregion bspw. mit der WFG-Ostbelgien, LUXINNOVATION usw.) für das diesjährige Forum Bois eine Präsenz mit einem Stand der rheinland-pfälzischen Forschungseinrichtungen und Innovationstreiber im (Holz-) Bauwesen beschlossen und sehr erfolgreich umgesetzt.
Damit hat das „Klimabündnis“ das Engagement in Rheinland-Pfalz für den Wissenstransfer und den „Export“ hiesiger Expertise für die Forschung und Lehre sichtbar gemacht. Die intensive Holzbauforschung, fachlich exzellent aufgestellter Lehrstühle und ein gut ausgebautes Unternehmensnetzwerk in Rheinland-Pfalz bietet vielversprechende Chancen, sich weiter länderübergreifend zu vernetzen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und die bisherige Forschung noch bekannter zu machen und in Wert zu setzen.

Das „Klimabündnis“ hat Erdgeschoss auf der Fläche D16 neben anderen europäischen Forschungseinrichtungen geförderte Projekte und Entwicklungen mit der Hilfe der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) und der Hochschule Koblenz präsentiert. Vertreten waren Studierende und Mitarbeitende der beiden Einrichtungen, sowie Ansprechpartnerinnen des „Klimabündnisses“, und einige Architektur- und Ingenieurbüros, sowie Holzbauunternehmen. *
Der Stand war mit 36m² und knapp zwanzig betreuenden Personen (Studierende, wissenschaftliche Mitarbeitende und Professoren rheinland-pfälzischer Universitäten und Hochschulen) ein Anlaufpunkt für interessierte Besucher. Die Präsentation des 1:2 „Pfalzturm-Mock-Ups“ schaffte durch seine gebogene Form eine Art Innenraum, der sich zu den weiteren Exponaten hin öffnete. Mit den 3D-gedruckten Edelstahlknoten (Kooperationsprojekt mit der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Laserinstitut Leipzig) zeigte das t-lab der RPTU erstmals das hochfeste Material „acetyliertes Buchen LVL“ (Herstellung durch die Firma Dehonit). Durch den Prozess der chemischen Modifikation -Acetylierung- von heimischen Buchenfurnieren (Fa. Accsys, NL) wird das Schwind- und Quellverhalten um ca. 80% reduziert und die höchste Dauerhaftigkeit gegenüber holzschädigenden Organismen erreicht (DCL 1). Damit eignet es sich für bewitterte Tragwerke, wie Türme, Brücken, etc.

Der 1:1 Demonstrator der Hochschule Koblenz des Selbstbauprojekts „Hive Home“ diente als Besprechungs- und Verweilmöglichkeit; das 1:5 Modell zeigte interessierten Besuchenden, wie der Mechanismus der drehbaren Rotunde gedacht ist- das Originalteil der „Trommel“ war aus sicherheitstechnischen Gründen nicht drehbar montiert worden. Ein Demonstrator mit Eichenschindeln deutete die Möglichkeit an, zukünftige Projekte mit dem Laubholz zu verkleiden.
Die 11 Studierenden des Fachbereichs Architektur der Hochschule Koblenz waren tatkräftig beim Aufbau und bei der Vorstellung der Projekte bei der Sache. Architekturprofessor Joachim Ruoff, der seinerzeit bei Renzo Piano der Sanierung des berühmten „Centre Pompidou“ bei Châtelet in Paris mitbetreute, kommt immer wieder gerne nach Paris und bekräftigt die nachhaltige Wirkung, die solche Exkursionen für die Studierenden haben: „Die Möglichkeit in so einer Kulisse mit einem derartig großen Fachpublikum seine Arbeit vorzustellen, das ist selbst für erfahrene Architekten und Planer ein tolles Vorrecht. Die Studierenden werden sicherlich nie vergessen, dass ihr Engagement und ihre Arbeit gesehen wurde und werden bleibende Eindrücke mit nach Hause nehmen. Wir konnten neue Kontakte knüpfen, und interessante Kooperationen ins Nachbarland ausmachen- wir sind gespannt, was daraus wird.“
Materialprofessor Stephan Jost zeigte sich ebenfalls beeindruckt und zufrieden mit der diesjährigen Konstellation und meinte: „Ein gemeinsamer Stand der Holzbau-affinen Universitäten und Hochschulen sorgt für einen übergreifenden Austausch und ein tolles Zusammengehörigkeitsgefühl, dass wir sicherlich mit nach Hause tragen. Die Bandbreite der Messe, aber auch das Fachwissen am „Klimabündnis“ Stand ist eine echte Bereicherung für unsere Studierenden, und uns selbst.“
Weiterhin war die Masterarbeit der Studierenden Svenja Brehm, mittlerweile wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl von Prof. Dirk Bayer (RPTU) ausgestellt, die sogenannte „Kirchenbox“: ein Holzeinbau, der zerstörungsfrei auf- und abbaubar, flexibel montierbar und natürlich aus Holz für große Räume mit einer kleineren, temporären Nutzung (wie bspw. in Kirchen) konstruiert wurde. Das Bistum Mainz hatte das Exponat freundlicherweise für den Stand ausgeliehen, und war mit zwei Vertretern nach Paris gereist.

Weitere Exponate der Werk- und Forschungshalle Diemerstein, wie der Konusadapter und der Knoten aus Kunstharzpressholz (KP) für diesen zirkulär konstruierten Holzbau wurden auf der speziell entwickelten Werkbank des t-lab gezeigt, und wurden von vielen Besuchern intensiv begutachtet. Diese Handexponate ergänzten sich gut mit dem Beitrag des t-labs im offiziellen Programm der Veranstalter am Donnerstagnachmittag, ein Vortrag über die Leitlinien des Lehrstuhls, unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Jürgen Graf, der ausschließlich rückbaubare Konstruktionen verwendet und entwickelt. Prof. Dirk Bayer stellte das Team und die Arbeit in dem Vortrag vor und verwies auf die im Jahr 2025 erschienene Publikation „Wege zur Bauwende“ („Construire l´avenir“), die die notwendige Wende im Bauwesen von mehreren Seiten wissenschaftlich analysiert.
Der Workshop des Veranstalters NVBCOM am 26.02.26, beleuchtete die Anpassungsmöglichkeiten für Holz, einerseits durch neue Verfahren, die die Verwendung von sogenanntem „Kalamitäts-Holz“ ermöglichen, andererseits durch die Entwicklung der Wiederverwendung. Hierbei spielen Aspekte wie technische Konstruktion, Suffizienz, Materialeffizienz und Bestandsnutzung eine wesentliche Rolle. Der an der RPTU entwickelte „Konusadapter“ hat das zerlegbare Bauen in Holz revolutioniert und stößt auf großes Interesse beim Fachpublikum.
Das „t-lab“ an der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau am Fachbereich Architektur konzentriert seine Forschungen in dieser Richtung. Vorgestellt wird primär die Entwicklung einer vollständig zerlegbaren Struktur der „Werk- und Forschungshalle“ Diemerstein, sowie die Stringenz der Philosophie der Kreislauffähigkeit im Bauwesen. Die Projekte sind geografisch und thematisch gegliedert, und wie bei allen Workshops dieses Forums wird ein öffentlicher Auftraggeber die Präsentation des Werks einleiten, bevor er das Wort an den Architekten übergibt. Der Workshop endet mit einem Austausch mit dem Publikum und einer abschließenden Podiumsdiskussion.
Impressionen des "Forum Bois"




Weiterführende Informationen
Das Thema „Face au climat” („Dem Klima begegnen“) ist von zentraler Bedeutung, und das Forum hat mit den verschiedenen Schwerpunkten Lösungsvorschläge präsentiert, die auch für Rheinland-Pfalz interessant sein könnten.
In Rheinland-Pfalz wurde 2022 das „Klimabündnis Bauen“ ins Leben gerufen, um sowohl die Akteure der Prozesskette Holz und Forst, als auch Betriebe für eine Wende im Bauwesen zusammen zu bringen. Eine Maßnahme hiervon ist der Wissenstransfer. Die Präsenz am Forum Bois 2026 zahlt auf die folgenden Ziele des „Klimabündnis“ ein
- Unterstützung von Forschungseinrichtungen und Unternehmen, die nachwachsende Bau-, Werk- und Dämmstoffe produzieren oder deren Entwicklung und effiziente Nutzung erforschen
- Weiterbildung von Fachkräften und somit Sicherung von Arbeitsplätzen in der gesamten Wertschöpfungskette des Clusters Forst und Holz
- Sensibilisierung der Öffentlichkeit für das Thema Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen und die mediale Begleitung dieser Maßnahme
* Namentlich beteiligte Personen und Institutionen
Exponate am Stand:
Hochschule Koblenz
Prof. Stephan Jost, Prof. Joachim Ruoff und Professorin Andrea Uhrig
Beteiligte Studierende der HS KO am Stand: Johannes Büker, Julius Miloš Giloi, Nils Kießling, Caroline Knöll, Matvii Kotenko, Alena Lepp, Atdhetare Rexhepi, Jean-Paul Theo Schon, Alec Webel, Beyoncé Yondjeu
Rheinland-Pfälzische Technische Universität, Fachbereich Architektur
Prof. Dirk Bayer, Prof. Dr.-Ing. Jürgen Graf
Mitarbeitende: Oliver Betha, Svenja Brehm, Estella Felker, Boran Hao, Reiner Klopfer, Maria Mörstedt, Viktor Poteschkin, Pascal Richter, Michele Sauerborn, Wenchang Shi, Lea Walgenbach
Am Programm beteiligt:
- Ministerium der Finanzen Rheinland-Pfalz mit der digitalen Vorstellung der 4+1 Strategie im Landesbau
- RPTU, Fachbereich Bauingenieurwesen: Live-Vorstellung von Brandschutz im Holzbau mit Dr. Sabine Scheidel (beteiligte Projektpartner Prof. Kornadt und IB Pirmin Jung, Remagen)
- Hochschule Kaiserslautern, Fachbereich Architektur: Live-Beitrag mit Einblicken in das Projekt GOLDEN CORN - Bauen mit Stroh, das in ein studentisches Selbstbauprojekt überführt werden soll, mit Prof. Wirtz und beteiligten Studierenden Laura Kaufmann und Jason Jun He
- Holzbauforschung der Hochschule Mainz: Digitale Präsentation von Prof. Kay-Uwe Schober
- Architekturbüros mit bereits erfolgreich umgesetzten Projekten in Rheinland-Pfalz:
- MAMUTH (Timm Helbach, Architekturbüro Mainz) mit einer Live-Präsentation des „Kalkhof-Rose Kammermusiksaal“ in Holzbauweise, der Sanierung der Grundschule in Essenheim und dem Lehmbauprojekt „Ecohybrid“
Interessant auch: TiCo – Bauen mit Lehm, Holz und Trester im Fachwerksystem 2.0 - Ingenieurbüro Miebach mit einem Vortrag zu Holzbrücken und -türmen (Moritz Duffhauß)
- Ingenieurbüro Fast-Epp mit einer digitalen Präsentation zur Kreisverwaltung Mainz-Bingen
- CL Tech Kaiserslautern, Adams Holzbau Niederzissen usw.
- MAMUTH (Timm Helbach, Architekturbüro Mainz) mit einer Live-Präsentation des „Kalkhof-Rose Kammermusiksaal“ in Holzbauweise, der Sanierung der Grundschule in Essenheim und dem Lehmbauprojekt „Ecohybrid“
Damit sind fast alle Lehrstühle rheinland-pfälzischer Hochschulen vertreten, die sich mit dem Bauen mit Holz und nachwachsenden Rohstoffen beschäftigen.
